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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 24. Sep 2011 07:19 
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Vor einem der letzten Häuser des Dorfes sitzen gewöhnlich zwei, manchmal drei Frauen auf Küchenstühlen vor der gelben Hauswand, direkt an der Straße und beobachten, wer ins Dorf kommt oder es verlässt, ob allein oder mit Begleitung und was sie vielleicht eingekauft haben. „Die Schildwache“ - so nennen meine Freunde sie.
Auch ich muss diese Station passieren, wenn ich einkaufen gehe. Sofort wird ein weiterer Stuhl aus dem Haus geholt, mit der bunt geblümten Kittelschürze abgewischt, und ich muss mich ein paar Minuten dazu setzen und mich ihren Fragen stellen. Woher kommst du, bei wem wohnst du, hast du Kinder, hast du eine gute Rente? ---- das wird jetzt nicht mehr gefragt, denn sie wissen schon lange gründlich über mich Bescheid, ebenso über meine ganze Familie. Was sie aber immer wieder wissen wollen, und wonach sie mit geradezu lüsternem Blick fragen: Ob es was Neues vom Pappous gibt, dem Schwiegervater meiner Tochter.
Ich hatte ihnen nämlich einmal brühwarm erzählt, was ich grade am öffentlichen Telefon gleich neben ihrem Haus von meiner Tochter erfahren hatte: dass der Schwiegervater, immerhin 78 Jahre alt, spurlos verschwunden war. Und sie waren erst beruhigt, als ich ihnen eine Woche später berichten konnte, dass eine Ansichtskarte aus Bayern gekommen war – er hatte einfach den Ärger mit seiner Frau satt gehabt und war kurzerhand verreist, ohne jemand etwas davon zu sagen.
Die ganze Geschichte fanden sie sensationell und den Opa bewundernswert – er hätte ja fast schon ein Grieche sein können, und sie grinsten verständnisinnig.
Und nun wollten sie jedes Jahr wieder Neues von ihm hören. Als ich ihnen letztes Jahr sagen musste, dass er gestorben war, waren sie sehr betrübt.

Die eine der drei Frauen, die Wortführerin, möchte ich so gern fotografieren – das gäbe ein Bild, das man nicht so leicht vergisst. Bis jetzt habe ich mich aber nicht getraut.
Sie ist etwa 65, hat halblange, glatte graue Haare, lebhafte, neugierige Augen und sehr braune Haut.
Genauso braun wie ihr Gesicht sind auch ihre Zähne, und einige fehlen ganz. Aber sie lacht gern und oft und völlig ungeniert, und dieses breite Lachen strotzt so von Lebensfreude, dass man sofort davon angesteckt wird. Die Scheu, sie zu fotografieren, gibt’s nur bei mir, sie hat keinerlei Schwierigkeiten mit ihrem Aussehen, wahrscheinlich hätte sie ganz gern ein Bild, und würde auch gar nicht darüber erschrecken.
Vielleicht traue ich mich dieses Jahr mal!

Tapir


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 24. Sep 2011 12:16 
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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 25. Sep 2011 09:22 
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Hallo meine Liebe

danke für deine Beiträge.

Na, ich würde die Dame einfach mal fragen, ob du nicht ein Bild für unser Forum in Deutschland machen darfst, das macht sie sicher stolz.-)))

LG Maria

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Ich bin Griechin, ich bin Deutsche, ich bin Europäerin.


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 25. Sep 2011 13:38 
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Ja, nächstes Jahr im Mai...
Aber ob ich ihr klarmachen kann, was ein Forum ist??? Ich werds versuchen...........

Und hier, weil Sonntag ist, noch etwas zum Erholen, ein Bericht (fast) ohne Worte von einem 10tägigen Urlaub in Romanos im Oktober 2009!

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LG
Tapir


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 25. Sep 2011 14:12 
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Ela

danke dir, einfach süsss deine Bildergeschichte....LG Maria

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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 25. Sep 2011 14:18 
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Hallo Tapir,
die Bilder mit den netten Details sind ja einfach toll!!!


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 26. Sep 2011 15:04 
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Jetzt weiter im Text - wenn ihr wollt!

Habe ich die Schildwache hinter mich gebracht oder das Glück gehabt, dass der strategische Punkt nicht besetzt war, dann kann ich mich auf den Heimweg machen.
Gleich wird mich von rechts von der Terasse im 1. Stock eines halbfertigen Hauses herunter ein winziger Terriermischling wie immer heftig ankläffen, die geländerlose weiße Wendeltreppe herunterstürzen, um am offenen Hoftor mit quietschenden Pfoten zu bremsen und stehen zu bleiben. Hier ist sein Zuständigkeitsbereich zu Ende, über diese Linie geht er nicht hinaus.
Der Hund ist im Lauf der Jahre, in denen wir uns kennen, nicht gewachsen – so wenig wie das Haus. Da, wo einmal der zweite Stock entstehen soll, ragen immer noch die Monierstäbe in den Himmel.( Dieses Jahr, 2011, ist es fertig geworden!)

Das letzte Haus, an dem ich jetzt noch vorbeikomme, gehört schon nicht mehr richtig zum Dorf, denn es liegt bereits auf einem der eingezäunten Gartengrundstücke, die sich rechts der Straße bis zum nächsten Dorf hinziehen. Es sieht auch nicht aus wie ein Dorfhaus, sondern eher wie das Sommerhaus wohlhabender Leute aus der Stadt. Es ist nicht traditionell weiß gekalkt mit blauen Fensterläden – die Hauswand ist gelblich getönt, die weißen Fensterläden vor den vier hohen Rundbogenfenstern sind geschlossen, ein abgemeldeter PKW steht im Vorgarten im hohen Gras. Am Gitterzaun entlang wachsen eine Reihe Rosenbüsche, jeder in einer anderen Farbe – rosa, tiefrot, zartlila, gelb, auch zweifarbig – und sie blühen im Mai schon üppig. Eine Blüte ist schöner als die andere, eine Pracht von Farben und Düften.
Das Haus gehört, so vermute ich, wohl einer Familie, die aus Romanos stammt, in Athen oder Patras wohnt, der Arbeit wegen, und die im Sommer so oft wie möglich ein paar Feiertage oder den Urlaub hier auf dem ererbten Grundstück verbringt. Manchmal macht sich dort eine zurückhaltend freundliche ältere Frau zu schaffen, am Haus oder im Garten. Sie kommt an den Zaun, und im Nu hat sie mir die Rose abgeschnitten, an der ich grade geschnüffelt habe, und reicht sie mir lächelnd, aber wortlos, durch den Zaun. Sie hat offenbar immer eine Schere in der Schürzentasche.Sicher ist es die Oma, die vorausgeschickt wurde, um nach dem Rechten zu sehen und das Haus für die kommenden Feiertage vorzubereiten.
Man muss hier in Griechenland vorsichtig sein mit dem Bewundern von Blumen oder Früchten – man bekommt so Manches gleich geschenkt, was man schön findet.


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 27. Sep 2011 12:44 
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Weiter führt die schmale Asphaltstraße, rechts davon die Gartengrundstücke mit Orangen- und Zitronenbäumen, an denen noch Früchte hängen, obwohl die Erntezeit ja längst vorbei ist. Gleichzeitig tragen die Bäume auch schon die Blüten für die nächste Ernte - weiß und gelb, schwer und süß duftend.

Auf der linken Seite beginnt hier das Gebiet der Olivenplantagen, die die Straße nach Petroxori säumen und sich mehrere Kilometer weit hinziehen, ein Grundstück nach dem anderen, einige sind eingezäunt.
Auf manchen ist der Boden gründlich umgepflügt worden, zwischen dem Grün der Baumreihen leuchten die breiten Streifen der terrakottfarbenen, fettig glänzenden Erde, Auf anderen Feldern wurde nicht gepflügt, dort wachsen Gras und Feldblumen unter den Olivenbäumen, sie sind „naturbelassen“. Wie das Feld, wo die Ziegen der Witwe aus dem Dorf tagsüber im Grünen stehen, Schatten, Wasser, reichlich Futter und ein schönes Leben haben.
Die Oliven blühen um diese Jahreszeit, es sieht aus, als sei ein zarter Schleier über die Bäume geworfen worden, wie winzige gelblich-weiße Kügelchen sehen die Blüten aus, Schaue ich von unten durch die silbrig glitzernden Blätter in den blauen Himmel , dann kommt es mir so vor, als könne ich das berühmte griechische Licht nicht nur sehen, sondern auch fühlen, gradezu anfassen.

Würde ich jetzt die Landstraße noch ein kleines Stück weitergehen, dann käme ich zur „Hühnerfarm“ – das ist ein großes, eingezäuntes Gelände rechts neben der Straße, auf dem zwischen vielen kleinen Obstbäumen Hunderte von Hühnern rumlaufen, echt tierfreundliche Freilandhaltung. Am Rand des Grundstücks steht ein Verschlag aus kreuz und quer zusammengehämmerten Brettern, ein Unterschlupf für die Hühner.
Das dachte ich, bis ich entdeckte, dass neben einer Art überdachtem Tisch ein Spiegel an der Bretterwand hängt. Den brauchen die Hühner garantiert nicht! Der alte Mann, den ich manchmal auf dem Grundstück werkeln sehe, muss also auch dort wohnen, mindestens zeitweise. Oder er braucht den Spiegel, um sich abends vor dem Nachhausegehen zu kämmen, denn rasieren tut er sich nicht, das sieht man.

Ich gehe aber nicht weiter auf der Landstraße nach Petroxori, sondern biege vorher in den Sandweg nach rechts ab. Er führt zu den ausgedehnten Gemüsefeldern, zur kleinen Plantage meiner Freunde und schließlich zum Meer. Und vorher zu den „Appartments Anna“, das sagt ein Wegweiser, der an der Abzweigung von der Straße in den Sandweg gleich neben einem modernen Müllcontainer steht – bis hierher müssen alle, die hier außerhalb des Dorfes wohnen, ihren Müll selbst bringen, das Müllauto verlässt die Landstraße nicht, es fährt gewöhnlich weiter und verschwindet samt der Straße zwischen den Oliven.

Der Weg führt mich vorbei an dem Haus des „Münchner Griechen“, wie ich ihn getauft habe. Ihn selbst habe ich noch nie gesehen, er ist ja auch in München und muss arbeiten, aber sein Vater, ein pensionierter Bankbeamter, ist den ganzen Sommer über hier und pflegt Haus und Garten, während seine angeblich leidende Frau allein zu Hause in Athen bleibt.
Jedes Mal, wenn ich ihm über den Weg laufe, will er mich zu einem Kaffee im Garten einladen. Dazu hab ich gar keine Lust, wer weiß, was er seinen Freunden über mich erzählt. Ich schleiche mich jedesmal am Grundstück vorbei.



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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 27. Sep 2011 21:43 
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Ela Tapir

sehr, sehr schöne Bilder.
Sehr schöne einfühlsame Texte.

Schreib einfach weiter, zweifel nicht so oft, ob es uns gefällt.
Wir lieben Hellas und somit alles, was es an Bildern und Worten darüber gibt. :thumbup: :thumbup:

LG Maria

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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 27. Sep 2011 21:47 
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dem schließ' ich mich einfach mal an :blume:

Freue mich immer über neue Episoden deiner Reise!!! :thumbup:


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