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 Betreff des Beitrags: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 16. Sep 2011 20:51 
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Romanos, seit 15 Jahren "mein" Dorf
Erst mal ein Bild, auf dem zu sehen ist, was dort auf der Plateia los ist.

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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 16. Sep 2011 21:22 
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Ela Tapir

echt cool. Die Bilder sind wirklich gelungen.....Du solltest ein Bilderbuch veröffentlichen.

LG M

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Ich bin Griechin, ich bin Deutsche, ich bin Europäerin.


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 16. Sep 2011 21:24 
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Hallo Tapir, gefällt mir :thumbup:


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 17. Sep 2011 14:45 
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Romanos

Mittelpunkt eines jeden griechischen Dorfes, wenn auch nicht immer in der Mitte gelegen, ist die Plateia.
Mittelpunkt der Plateia ist oft eine hohe, ausladende Platane oder zwei oder drei, unter denen es sich gut im Schatten sitzen lässt.
Hier in Romanos haben wir zwei, die allerdings nicht in der Mitte, sondern am Rande der Plateia stehen und die alten Männer, die vor der Taverne auf der rechten Seite an den wackeligen blauen Tischen sitzen, mit Schatten versorgen.
Die Taverne nennt sich auch „market“, aber ich habe noch nie jemand mit Einkäufen dort herauskommen gesehen. Dafür sitzen aber fast zu jeder Tageszeit einige Männer davor, beobachten das Geschehen, und wenn nicht grade Mittagszeit ist, in der alle schläfrig in ihren Stühlen hängen, diskutieren sie – lautstark und gestenreich. Auch Takis, der Taubstumme, der am Rand der Plateia den Kiosk betreibt, sitzt dabei und „redet“ mit, er kann von den Lippen lesen und drückt sich perfekt in Gesten aus, er ist in keiner Weise ausgegrenzt.
Hier machen auch die Bauern Pause, wenn sie mit ihrem Traktor von der Feldarbeit auf dem Weg nach Hause sind. Es kommen also auch jüngere hierher, und die trinken auch mal ein Bier. Die Älteren und die ganz Alten sitzen meist bei ihrem Kaffedaki, dem kleinen griechischen – um Gottes Willen nie türkischen! – Kaffee,
bei dem den größten Teil des Platzes in der sowieso schon kleinen Tasse der Satz einnimmt, der einem so schön im Hals steckenbleibt. Aber, das muss gesagt sein:
In ausnahmslos jeder Taverne, sei sie auch noch so klein, kriegt man ein Glas frisches Wasser dazu. Und das nicht nur zum Runterspülen – ich denke, es hat auch eine traditionelle Bedeutung als eine Art Gastgeschenk – Wasser war und ist kostbar.

Es gibt noch zwei weitere Tavernen an der Plateia: eine gegenüber auf der linken Seite und eine sozusagen am Kopfende, an der Schmalseite, wo das Gelände ein wenig ansteigt.
Die Taverne links nennt sich sogar „Supermarket“, und tatsächlich gibt es dort etwas zu kaufen: alles, was sich monatelang hält.
Unkrautvernichtungsmittel, Nudeln, Reis, Sonnenöl, Brühwürfel, Süßigkeiten, Nescafe, Klopapier, Waschpulver, Streichhölzer und Shampoo, Luncheon meat aus Dänemark zu horrenden Preisen, und ---Aspirin- das nämlich hamstern die Touristen in Griechenland, weil es dort halb so teuer ist wie zu Hause.
Es gibt auch Käse, Joghurt, Margarine, aber da muss man aufs Verfallsdatum achten, denn der Einkauf beim Großhändler wird im Frühsommer getätigt, wenn die – hier wenigen – Touristen im Anmarsch sind, und wenn ich im Mai drauf hier bin, ist manchmal immer noch was davon da.


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 18. Sep 2011 08:14 
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So ein Laden läuft nebenher, der Besitzer arbeitet tagsüber auf dem Feld und bedient – was hier nichts anderes heißt als kassiert – abends, wenn er von der Arbeit kommt.
Tagsüber bedient seine Frau, und praktischerweise hat sie ihre Küche direkt im Laden, sie ist durch eine hölzerne Theke vom Verkaufsraum abgetrennt.
So war das früher weit verbreitet – die Besitzer wohnten in ihrem Geschäft, neben der Kochgelegenheit stand auch ein Bett mit im Laden – so hab ich das in den siebziger und achtziger Jahren noch öfter gesehen.

Die Theke, hinter der Kiria Dimitra kocht, hat eine Glasplatte, unter der die Fotos ihrer Kinder vom Baby auf dem Eisbärfell bis zum Hochzeitsfoto allesamt zur Besichtigung ausgelegt sind. Ab und zu kommt ein neues Foto hinzu – ein weiteres Enkelkind – und ich gratuliere ihr dann und sage: “Na sas zisei!“- es möge euch leben – das gehört sich so, sobald von einem neuen Kind oder Enkelkind die Rede ist.
Kiria Dimitra hat eine moderne Registrierkasse auf ihrer altmodischen Theke stehen. Und blaue Plastiktüten gibt’s bei ihr reichlich, die werden in ganz Griechenland verschwenderisch ausgegeben. Selbst wenn man nur eine Schachtel Streichhölzer kauft, kriegt man sie unter Umständen sorgfältig in eine Plastiktüte gepackt.
Plastik liebt man überhaupt, auch in anderer Form.
Die Ökologiebewegungen, die es in Griechenland gibt, haben noch viel zu tun, besonders auf dem Land.
Gelegentlich habe ich das Pech, an Dimitras Mann zu geraten. er ist ein mürrischer Mensch, der keine Miene verzieht und den Mund nicht mal aufmacht, um mir zu sagen, was ich zu bezahlen habe, sondern mir wortlos den Kassenzettel hinschiebt.
Genau genommen ist diese „Taverne“ nicht anderes als ein „minimarket“, bei dem es im Verkaufsraum einige von den runden, blauen Tischchen gibt, an denen
jeweils ein einzelner sehr alter Mann sitzt und bei einem Getränk, meistens Kaffee, das Geschehen auf dem an der Wand hängenden Fernseher verfolgt oder auch ein bisschen vor sich hin döst.


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 19. Sep 2011 07:35 
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Meine Freunde haben mir erzählt, dass sich in jeder der drei Tavernen die Anhänger einer bestimmten Partei treffen. Da gibt’s die sozialistische Pasok,
die kommunistische KKE und die konservative Nea Dimokratia , deren Anhänger sich in der dritten „Taverne“ treffen.
Das Haus ist frisch gekalkt, Fensterläden und Holzgeländer sind griechisch-blau gestrichen, ein Schilfdach sorgt für Schatten über den vier Tischen, die auf der Terasse stehen.
Es liegt am oberen Rand der leicht ansteigenden Platia, etwas höher als die Häuser an den Seiten, sodass die Männer wie von einer Tribüne auf den Platz und alles, was sich dort tut, herabsehen könnnen. Es sind die Honoratioren des Dorfes, das heißt die Wohlhabenderen, Tonangebenden, die Altherren-Riege.
Sie kommen am Nachmittag – der beginnt hier um 18 Uhr – nach dem Mittagsschlaf und treffen sich hier bei „O Giannis“.
In den Straßencafés Griechenlands stehen die Stühle nicht um den Tisch herum, sondern zwei und zwei ausgerichtet zur Straße hin, wo es etwas zu sehen gibt.
Auch hier sitzen die alten Herrn in einer Reihe nebeneinander, wie im Kino, und sie diskutieren nicht wie die Jüngeren in der rechten Taverne bei Jorgo, sondern sie beobachten.



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Tapir


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 19. Sep 2011 21:16 
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Sehr schön, sehr schön....schöne Bilder obendrein LG M

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Ich bin Griechin, ich bin Deutsche, ich bin Europäerin.


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 19. Sep 2011 21:22 
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Hallo Erika,
im nächsten Jahr: auf jeden Fall nach Romanos :thumbup:


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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 21. Sep 2011 08:07 
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Mittagszeit - keiner da!

Und es gibt einiges zu sehen am Nachmittag. Die Bauern, die von 6 oder 7 Uhr früh bis zum Mittag auf dem Feld gearbeitet haben, kommen nach der Siesta hier vorbei, parken ihre Traktoren oder Pick-ups unter der Platane und sitzen eine Weile bei Jorgo, bevor sie wieder zur Arbeit auf die Felder fahren.
Hausfrauen kaufen im Mini-“Supermarket“ ein, treffen sich auf der Plateia und tauschen Neuigkeiten, Gerüchte und Meinungen aus.


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Die Zwei haben noch was zu besprechen

Eher selten hält mal ein Touristenauto auf dem Weg zur Hotelanlage, die ein paar Kilometer vom Dorf entfernt liegt. Man fragt nach dem Weg, weil man der schmalen Straße nicht zutraut, dass sie einen zu irgendeinem nennenswerten Ziel bringt. Dabei führt sie direkt zur postkartenberühmten „Ochsenbauchbucht“,der Voidokoilia, die fast kreisrund, mit weißem Sand und hellgrünem flachen Wasser die Touristen anzieht und unterhalb eines Felsens liegt, auf dem der alte Nestor die Ställe für seine Rinder gehabt haben soll.

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 Betreff des Beitrags: Re: Romanos, Südpeloponnes
BeitragVerfasst: 23. Sep 2011 09:14 
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Und es gibt einiges zu sehen am Nachmittag. Die Bauern, die von 6 oder 7 Uhr früh bis zum Mittag auf dem Feld gearbeitet haben, kommen nach der Siesta hier vorbei, parken ihre Traktoren oder Pick-ups unter der Platane und sitzen eine Weile bei Jorgo, bevor sie wieder zur Arbeit auf die Felder fahren.
Hausfrauen kaufen im Mini-“Supermarket“ ein, treffen sich auf der Plateia und tauschen Neuigkeiten, Gerüchte und Meinungen aus.

Eher selten hält mal ein Touristenauto auf dem Weg zur Hotelanlage, die ein paar Kilometer vom Dorf entfernt liegt. Man fragt nach dem Weg, weil man der schmalen Straße nicht zutraut, dass sie einen zu irgendeinem nennenswerten Ziel bringt. Dabei führt sie direkt zur postkartenberühmten „Ochsenbauchbucht“,der Voidokoilia, die fast kreisrund, mit weißem Sand und hellgrünem flachen Wasser die Touristen anzieht und unterhalb eines Felsens liegt, auf dem der alte Nestor die Ställe für seine Rinder gehabt haben soll.

Jeden Abend kann man auf der Plateia in Romanos eine alte Frau sehen, wie sie ihre zwei Ziegen am straff gespannten Seil über den Platz zerrt, nach Hause zum Melken. Für die Witwe sind sie unentbehrlich, denn Ziegenmilch und –käse ersparen ihr manche Ausgaben - die Rente reicht kaum zum Leben.

Manchmal kann man den Popen mit seinen Einkäufen aus dem Supermarket kommen oder bei den Männern vor der Taverne „O Jorgos“ sitzen sehen, oft sogar in seinem Arbeitskittel aus blauem Baumwollstoff. Die Popen sind ihren „Schäfchen“ näher als man es bei uns von den Pfarrern gewohnt ist – sie haben fast alle Familie, Acker, Haus und Hühner und arbeiten selbst auch körperlich, eine gute Basis für ihr Verhältnis zu den Dorfleuten. Es ist ein respektvolles, gleichzeitig aber auch freundschaftliches Verhältnis – sie geben auch in weltlichen Dingen etwas auf seinen Rat.
Es kommt allerdings auch vor, dass der Pope in seinem schwarzen Amtsgewand, das „kalimaski“, den hohen Hut, unter dem ein kümmerliches Zöpfchen raushängt, auf dem Kopf, gemessen über den Platz wandelt und sich von tief knicksenden alten Frauen gnädig die Hand küssen lässt. Alles zu seiner Zeit!


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