Aktuelle Zeit: 16. Dez 2018 06:51

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


  User Information

Guest Avatar




Registrierung

 

  Suche



Erweiterte Suche

  Hellas Wetter

  Partnerseiten



Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 
AbonnentenAbonnenten: 1
LesezeichenLesezeichen: 0
Zugriffe: 99

AutorNachricht
 Betreff des Beitrags: Interview mit Shantel, mal zum Nachlesen
BeitragVerfasst: 18. Sep 2013 17:45 
Offline
Forenfee
Benutzeravatar

Registriert: 08.2009
Beiträge: 31712
Wohnort: Ruhrpott, mitten drin
Geschlecht: weiblich
Shantel in Düsseldorf im ZAKK
29. August 2013


Maria: "Ich habe natürlich einige Fragen an dich. Und sage erstmal Hallo nach Düsseldorf.
Wie gefällt dir denn eigentlich Düsseldorf?"

Shantel: "Ich sag also erstmal Hallo Düsseldorf. Alles wunderbar hier. Das Wetter ist sehr freundlich zu uns.
Die Sonne scheint. Ich müsste lügen, wenn ich jetzt sagen würde, Düsseldorf ist eine tolle, wunderbare Stadt.
Denn ich habe noch nichts gesehen von Düsseldorf bisher.
Aber ich sage jetzt trotzdem mal Düsseldorf ist eine wunderbare, sympathische, geschmeidige Weltstadt.
Im Herzen Europas."

Maria: "Hast du natürlich sehr schön gesagt. Natürlich nicht zu vergleichen mit Frankfurt oder Berlin. Ich bin heute hier gekommen,
denn ich bin Halbgriechin und mich interessiert daher besonders deine Ader, griechische Lieder zu singen.
Ich war ganz begeistert z.b. von "Manolis, o Hasiklis". Mich interessiert, sprichst du eigentlich die Sprache?"

Shantel: "Soll ich jetzt was auf griechisch sagen?" Also um es kurz zu machen. Mein Großvater ist Grieche gewesen.
Und seit ich mich erinnern kann, sind wir immer mit der Familie fast jeden Sommer nach Griechenland gefahren.
Haben Urlaub gemacht, haben Familienbesuche gemacht und das ist für mich eine sehr tiefe, plastische Erinnerung
geblieben. Und ich bin immer noch recht oft in Griechenland. Ich habe, so glaube ich mit 17, als ich meine ersten Schritte
gewagt habe in Richtung eigene Band oder Livemusik machen, sehr lange mit einem Rembetiko-Ensemble gespielt.
Es ging sogar soweit, dass wir mal eine Tour gemacht haben mit Michalis Jenitsaris in Deutschland und Europa.
Also einer der letzten Rembetes. Als er noch lebte, er lebt jetzt nicht mehr.
Es wurde damals begleitet von Armin Kerker vom WDR. Es gab auch ein recht schönes Album dazu mit Begleittexten.
Also die Art von musikalischer Sensation, die ich mir erhalten habe von den Jahren zuvor. Ich bin das nie los geworden.
Wobei ich auch nie das Gefühl hatte oder ich sehe mich nicht als Interpret von griechischer Musik. Das war auch nie
meine Absicht oder meine Intention.
Es gibt Songs oder Lieder, die haben mich immer sehr berührt und interessiert. Vielleicht müsste ich sogar vorsichtig behaupten,
dass ich immer versucht habe, dies aus einer oberflächlichen Situation heraus zu machen, weil ich nicht das Gefühl hatte,
ich möchte das jetzt authentisch inszenieren, sondern mich hat die Musik und der Song, der Text und die Melodien berührt.
Dann habe ich auch immer wieder Songs gecovert bei den Konzerten oder auf Alben.
Weil ich glaube, wenn man sich damit intensiver beschäftigt mit der Musikkultur Südosteuropas, was ich vor zehn
Jahren sehr intensiv getan habe, kommt man eigentlich an Griechenland nicht vorbei.
Denn es ist für mich so das Bindeglied, das ist so die Schnittstelle, wenn es um die musikalische Tiefe geht.
Ich glaube, es gibt kein Land in Europa, was so eine eindringliche Musikkultur hat, die über Jahrhunderte gewachsen ist.
Das unterscheidet sich natürlich sehr stark von der griechischen Realität. Also was höre ich heute in Griechenland für
Musik.
Da schwingt immer so ein gewisser Kontroversitismus mit, wenn man das quasi so von außen beurteilt. Aber allein die
Tatsache, dass Griechenland so vielfältig geprägt ist und war von den verschiedenen Kulturen und natürlich den verschiedenen
Okkupationszeiten, während des Osmanischen Reiches und natürlich auch vorher.
Sagen wir mal, die ganze Harmonielehre, mit der ich mich befasse in Bezug auf Osteruopäische Musik, basiert ja mehr oder weniger auf dem Byzantischen Reich. Was wiederum viel adaptiert hat von den Persern. Aber das ist im Prinzip eine ganz wichtige
Wurzel, weil bis dahin niemand das so komplex und auch so nachhaltig niedergeschrieben hat,.
Sagen wir mal, ähnlich was in der klassischen Musik Johann Sebastian Bach geleistet hat, das wohl temperierte Klavier, die
komatische Tonleiter. Das also analytisch, fast bürokratisch zu ordnen, das ist schon in der byzantinischen Zeit passiert.
Der Rembetiko ist ja eine urban geprägte Musik, eine Subkultur. Er war keine Folklore-Musik oder ländliche Musikrichtung. Sondern es war Musik mehr oder weniger von Flüchtingen.

Maria: "Als ich dich das allererste Mal gehört habe mit diesem Lied, wußte ich nicht, welche Nationalität du hast. Mich hat nur fasziniert,
wie klar und deutlich du die Worte ausgesprochen bzw. gesungen hast, so akzentfrei. Und ich habe mich wirklich gefragt, welche
Nationalität du eigentlich hast. Für mich bist du so eine Art Europäer, Kosmopolit, weil du diese ganzen Elemente so wunderbar
vereinst, weil du in verschiedenen Sprachen singst und kulturell unheimlich interessiert bist. Als was würdest du dich denn selbst
bezeichnen. Fühlst du dich rein deutsch, oder bist du tatsächlich ein Europäer?"

Shantel: "Also ich habe die letzten Jahre immer vermieden, eine klare Position zu beziehen, bis hin zur Koketterie, würde ich sagen.
Oder ich habe gesagt, ich bin tatsächlich Europäer. Irgendwann entstand daraus auch eher so ein slapstickhafter Begriff, dann habe ich einfach gesagt, ich bin vom Planet Paprika. Was für mich wirklich eher eine Ironie war. Aber mittlerweile beziehe ich mich eigentlich recht deutlich dazu, zu sagen ich bin ein deutscher Musiker. Also ich bin in Deutschland geboren und sehe mich als deutschen Musiker.
Nur klingt halt meine Musik nicht so wie bei bei Kraftwerk, Rammstein oder Peter Fox. Weil ich das Gefühl habe, Deutschland, was ja mehr oder weniger im Herzen Europas liegt, ist ein Einwanderungsland, zum Glück, und Deutschland ist mittlerweile Heimat für sehr viele unterschiedliche Menschen, auch Kulturen und Religionen geworden.
Man darf es nicht falsch verstehen mit dem politischen Kampfbegriff des "Multikulti", mit dem ich persönlich nie was anfangen konnte.
Weil ich nicht wirklich an so eine globale oder überregionale allumfassende Umarmung glaube, wo alles gleich ist.
Das gibt es nicht. Es gibt brachiale Unterschiede innerhalb der verschiedenen Gesellschaftsgruppen mit oder ohne Migrationshintergrund. Eigentlich ist mir das völlig schnurz, ob jetzt jemand türkische Wurzeln oder griechische Wurzeln hat. Schlussendlich geht es immer um den Menschen und den Charakter. Wie ist der Mensch. Was er für eine Religion hat, ist mir völlig egal. Weil ich auch selber gar nicht religiös bin. Aber zumindest halte ich es doch für wichtig, zu sagen, ich bin deutscher Musiker und ich spiele dieses Repertoire, weil ich das Gefühl habe, ich kann mich am besten damit ausdrücken. Ich muss mir nicht irgendeine künstliche Tarnkappe überstülpen.
Ich will auch nicht authentisch sein und ich will auch nicht sagen, ich mache jetzt die Musik Griechenlands. Sondern ich interessiere mich für gute Musik. Und ich bin sozialisiert mit einer bestimmten Art von Musik, auch von angloamerikanische Musik, das liebe ich auch, keine Frage.
Aber dass die Stücke so klingen bei mir und dass ich diese Songs oft spiele, ist einfach ein Teil meiner persönlichen Welt.
Und das unterstreiche ich als deutscher Musiker. Und ich glaube, das kann man im Jahr 2013 ganz entspannt und ruhigen Gewissens sagen. Denn wenn ich im Ausland bin, denn ich spiele und toure sehr viel im Ausland, werde ich immer als deutscher Musiker wahrgenommen. Also in Frankreich, wenn ich dort einen griechischen Song spiele oder etwas Türkisches oder eine Eigenkomposition, dann nehmen mich die Leute als deutschen Musiker wahr, der halt dieses Repertoire spielt. Und das ist im Prinzip völlig in Ordnung.
Nur in Deutschland wird mir tatsächlich sehr oft die Frage gestellt nach Herkunft und Identität und ob das denn auch alles legitim und richtig ist und ob ich das darf oder nicht oder ob ich sozusagen auch die richtigen Pässe dazu bereithalte.
Wie gesagt, ganz kurz formuliert, ich denke, Musik machen ist zum Glück eine Herzensangelegenheit und eigentlich ist jeder in der Lage, einen Song zu performen. Englisch, deutsch, griechisch, japanisch what ever. Es hat mit dem Feeling zu tun.
Es gibt ja auch ganz hervorragende Jazzmusiker ist Dänemark oder Tangomusiker in Finnland, die sind hervorragend.
Die zerreißen dir das Herz vor Leidenschaft und man würde nie sagen....hey, das ist nicht real.
Und das ist wieder auch das Schöne an der heutigen Zeit, dass tatsächlich jeder in der Lage ist, der Menschheitsgeschichte einen Dienst zu erweisen in seiner bestimmten individuellen Reportation. Und ich mache nichts anderes.
Und wenn man das kritisiert, da komme ich super mit zu recht und kann da gut mit leben, weil ich immer sage, ich will nicht repräsentativ sein und ich bin es auch nicht. Ich glaube, dass ich mit großem Respekt Songs bearbeite oder interpretiere, das ist für mich auch kein wirkliches Plündern, sondern es hat sich einfach so entwickelt im Laufe der Jahre."

Maria: "Ich finde auch, dass es zu dir hervorragend passt. Das Lied "Koupes" z.b. fand ich genial, wenn auch anders. Man muss genau
hinhören, um es zu erkennen, aber ich finde es spannend und gewagt, aber auch gut, dass du das machst. Du bist eben nicht in so einer Schublade drin, man hört deine Lieder und denkt, ach das kann er auch und das macht er auch. Für mich ist das sehr spannend. Darf ich mal fragen, wie viele Sprachen du sprichst?"

Shantel: "Also ich beherrsche am besten die Körpersprache, es hat lange gebraucht, die Grammatik zu studieren und zu erlernen.
Im Alltag sprechen wir alle englisch, auch mit der Band. Denn die Band ist ja recht bunt zusammengewürfelt. Und der größte gemeinsame Nenner ist tatsächlich englisch geworden im Laufe der Jahre. Ich verstehe relativ gut griechisch. Rumanisch verstehe ich auch gut. Ich würde nicht sagen, dass ich spreche. Das dauert ein wenig. Wenn ich jetzt z.b. vier sechs Wochen in Griechenland wäre, dann würde ich sehr einfache Basiskommunikation führen können.
In der Schule hatte ich mal Französischunterricht, das funktioniert auch so einigermaßen. Bei meinen Großeltern habe ich auch ab und an viel jiddisch gehört. Die sind aber verstorben, da war ich 14, 15 Jahre. Also ich kann mich da kaum dran erinnern. Also im Grunde genommen nichts Weltbewegendes in Bezug auf Sprache."

Maria: "Es kommt immer so rüber, wenn man dich verschiedene Lieder singen hört. Und es ist dann noch so perfekt und man denkt, dass kann er sicher
fließend."

Shantel: "Ja, ich glaube, das ist auch ein großer Unterschied. Wenn man es mit einer musikalischen Auffassung macht, dann ist es eigentlich eine Übungssache.
Man kann ja phonetisch und natürlich auch wenn man die Sprache kennt, also wann man das im Ohr hat, dann weiß man, wie man die Formulierungen gemeint sind.
Also wenn man jetzt quasi ganze Sätze auch so nicht selbständig formulieren könnte, im Griechischen z.b., aber der Rhythmus und der Klang der einzelnen Wörter, der ist mir vertraut. Also kann ich das schon so für mich, auch wenn es ein bisschen abstrakt ist, unter einen Hut bringen. Und dann ist es wirklich eine sehr musikalische Angelegenheit. Da könnte man im Prinzip auch chinesisch singen. Das würde bei mir jetzt etwas dauern, ich müsste da auch irgendwie einen Draht zu entwickeln. Habe ich jetzt nicht. Ist auch nicht meine Vorstellung, aber ich denke, das würde auch gehen. Es ist so, als wenn man ein neues Instrument lernt. So muss man sich das vorstellen."

Maria: "Dann bist du auch sicher ziemlich sprachbegabt, nehme ich an. Denn so aus dem Ärmel schütteln kann man das vermutlich nicht."
Mich würde noch interessieren, von wo stammen deine Großeltern aus Griechenland?"

Shantel:" Also das ist so. Väterlicherseits hatte ich einen Großvater, der kam aus Drama. Das liegt im Nordosten. Und das gehört, glaube ich, zu Thrakien oder Makedonien. Makedonien, genau. Dort war ich oft als Kind. Eigentlich mehr noch in Kavalla oder auf der Insel Thassos oder Samothraki.
Aber auch über die Jahre hinweg haben wir das ganze Land gesehen mit meinen Eltern zusammen. Und meine Großeltern haben dann aber im Prinzip
hauptsächlich in Deutschland gelebt. Die haben quasi gearbeitet in Deutschland. Damals in den 50ern hieß es Gastarbeiter. Meine Großmutter ist Deutsche, sie ist jetzt 91 Jahre alt. Lebt noch in Frankfurt a. M. Mein Großvater ist vor bisschen mehr als einem Jahr gestorben. Das ist quasi die Seite von meinem Vater.
Und von meiner Mutter sind beide Eltern aus der Stadt Czernopiz, liegt in der geographischen Region Bucovina und gehört heute zur Ukraine. War aber im Laufe der Jahrhunderte immer mal wieder Österreich/Ungarn also Habsburg, dann gehörte es zu Rumänien, dann gehörte es mal kurz zu Rußland, also hat immer öfter den Besitzer gewechselt."

Maria: "Das klingt sehr spannend. Da hast du ja ein ziemliches Gemisch ist deinen Adern. Mein Opa stammt auch aus Drama und ich bin etwas älter als du.
Vielleicht haben wir uns mal als Kinder irgendwo in Kavalla oder auf Thassos getroffen, ohne dass wir es wußten. Also ich finde es sehr aufregend, so ein gemischtes Blut zu haben. Du wirkst sehr ausgeglichen. Du wirkst sehr ruhig. Wir sieht es denn temperamentmäßig aus, merkst du das manchmal, dass du etwas vom Süden in der hast? Oder bist du immer die Ruhe selbst?"

Shantel: "Das ist schwer, über sich selber so ein Charakterprofil zu erstellen. Ich denke, allein die Tatsache, dass ich das mache, was ich jetzt tue und die letzten Jahre gemacht habe, ist im Prinzip auch schon eine Renisenz. Was für mich als Kind auch nicht immer einfach war. Denn ich kann mich auch an Zeiten erinnern, da kam ich auch nicht wirklich damit zurecht. Weil ich nicht wusste, wo ist denn jetzt quasi meine Heimat, meine Mitte. Und dann habe ich versucht, diesen Begriff für mich anders zu besetzen, indem ich versuche zu sagen, Heimat ist für mich kein Ort, sondern vielmehr ein Gefühl.
Ich tue mich sehr schwer damit, zu sagen, ok es gibt so bestimmte charakterliche Eigenschaften, die entsprechen mehr der griechischen Mentalität,
weil ich gar nicht genau weiß, wie ist denn die griechische Mentalität.
Ich habe alles erlebt, ich kenne temperamentvolle Griechen. Mein Großvater war eigentlich ein super ruhiger zurückhaltender Mensch. Also eher
introvertiert.
Die Familie meiner Mutter, die quasi aus der Bucovina kam, die waren sehr laut und temperamentvoll, also intensive Menschen, Charakter, die also wirklich so mit Feuer und Flamme jeder Situation begegnet sind. Aber wie gesagt, ich bin gerne ruhig und kontrolliert, auch um mich zu sammeln und bestimmte Ideen auf den Punkt zu bringen, um mich einfach zu konzentrieren auf einen Gedanken, den ich habe oder den ich verfolgen möchte. Aber ich kann auch sehr anarchisch und sehr temperamentvoll aus der Haut fahren. Das fällt mir nicht schwer. Wobei, das Musikmachen gerade das Live Konzerte Spielen ist ein sehr gutes Ventil geworden, um damit umzugehen gefühlsmäßig. Weil ich irgendwann auch gemerkt habe, dass es nichts bringt, ständig auf den Tisch zu hauen. Diese Klischees, diese Stereotypen immer laut und temperamentvoll zu sein, diese Jacke passt mir eigentlich nicht so richtig. Vielleicht habe ich es im Privaten oder Zwischenmenschlichen, aber etwas ruhiger ist mir angenehmer. Aber wenn es um Show geht oder Entertainment, um Bühne, da kenne ich keine Grenzen."

Maria: "Ich habe gehört, du möchtest auch ein Buch schreiben. Hast du damit schon angefangen?"

Shantel: "Ich arbeite an verschiedenen Sachen. Ich habe auch gerade ein neues Album gemacht. Was sich inhaltlich komplett unterscheidet von dem, was ich vorher gemacht habe. Das für mich auch nur eine Frage der Zeit, wann ich tatsächlich auch mal wieder etwas andere mache, musikalisch oder inhaltlich.
Die neue Platte erscheint am 18. Oktober in diesem Jahr. Das ist für mich jetzt erstmal ein wichtiges Ereignis in diesem Jahr, also zum Jahresende.
Wir haben natürlich auch in diesem Jahr wieder ausgiebig getourt. Soviel Zeit und Möglichkeiten hat man eigentlich am Rande dann auch nicht mehr.
Ich werde noch ein Magazin veröffentlichen, also es gibt quasi auch eine Printausgabe. Es ist so eine Art Kompendium zu Fragen der Politik, Musik, Livestyle, Mode, bildende Kunst. Das wollte ich immer schon mal machen, ich wollte schon immer eine Zeitschrift herausbringen. Wird es auch als ipad-Ausgabe geben.
Ich mache ja auch noch den Musikverlag und das Plattenlabel in Frankfurt. Es ist schon recht komplex, das alles so auf den guten Weg zu bringen.
Mit dem Buch das habe ich auch vor. Ich schreibe daran. Es gibt für mich jetzt noch keinen Termin, den Druck habe ich auch noch nicht. Ja und ansonsten, heiter weiter."

Maria:"Ich habe auch gesehen, dass du in Athen warst zu einem Konzert. Warst du eigentlich auch schon in Thessaloniki zu einem Konzert? Thessaloniki
liegt mir ja viel näher am Herzen als Athen. Ich habe allerdings nur etwas gefunden aus Athen. Oder warst du auch woanders? Was ich noch nicht entdeckt habe?"

Shantel: "Ich habe im Laufe der Jahre öfter in Thessaloniki gespielt. Wir haben in Kavalla gespielt, wir haben in Kastoria beim River-Festival gespielt. Eines der dienstältesten griechischen Rock-Pop-Festivals. Wunderbares Festival mitten in der Pampa sozusagen, im Hinterland von Kastoria, diesem verwunschenen Ort, der eigentlich bekannt dafür ist, dass alles mit zwei Beinen in der Pelzindustrie arbeitet. In Athen haben wir gespielt, auf Kreta auf einem Festival. Da ist schon einiges zusammen gekommen in Griechenland im Laufe der Jahre."

Maria: "Ich habe auch den Film Soul Kitchen gesehen, den ich übrigens hervorragend fand und da war ja auch Musik von dir dabei.
Die ganze Zusammenstellung der Musik, ich habe beide Alben, also diese Doppel-CD, ist sehr gelungen, wenn auch manchmal etwas extrem.
Ich könnte mir bei dir auch vorstellen, dass du dich mal ausprobieren möchtest, indem du in einem Film mitspielst. Gerade bei Soul Kitchen z.b. hättest du super gut hineingepasst. Oder ist das etwas, wo du sagst....um Gottes Willen, das geht gar nicht."?

Shantel: "Also ich hatte ja einen ganz kurzen Auftritt in "Edge of heaven" von Fatih Akin. Das ist der Film, der vor Soul Kitchen herauskam.
"Auf der anderen Seite". Es war aber eher, eigentlich nicht erwähnenswert. Im Bezug darauf, es gab des öfteren Vorschläge dieser Art.
Nur, es ist so, ich bin kein Schauspieler. Ich würde mich dann selbst spielen, was mir natürlich komisch vorkommen würde, denn wenn du
quasi spielst, wenn du schauspielerst, schlüpfst du in eine andere Person, in eine andere Rolle, es auch etwas mit dieser Vorstellung zu tun.
Das würde mir einfach vom Charakter nicht so liegen, sonst wäre ich tatsächlich Schauspieler geworden. Von daher ist es, glaube ich,
ganz gut, wie es sich bisher entwickelte. Ich würde das also nicht erzwingen wollen, es muss nicht sein. Ich muss das nicht machen, weil ich auch so schon genug mache."

Maria: "Ja, hätte ich mal sein können, dass du sagst, das möchte ich unbedingt mal ausprobieren, weil es spannend ist, sich selbst auszuprobieren. Du machst Musik und diese Leute sind ja meistens auch sehr kreativ und es gibt ja genug Bespiele, wo es auch funktioniert hat.
Du bist oft in Griechenland aufgetreten, hattest du ja ausführlich berichtet, du kennst ja auch einiges von dem Land. Was hast du denn für
ein Gefühl, wie die Griechen die Musik aufnehmen? Sind die Feuer und Flamme oder müssen die erstmal gucken und hören, wie der
"Deutsche" das musikalisch macht oder akzeptieren sie dich sofort. Was für ein Gefühl hast du dabei"

Shantel: "Eigentlich ist dies eine Frage, die mir relativ oft gestellt wird. Es ist eigentlich ganz simpel, die meisten Länder, in denen ich gespielt habe im Laufe der Jahre in Südosteuropa oder in mediterranen Gegenden, da war es eigentlich für die Leute klar zu meiner großen Verwunderung, die haben immer gesagt, ok wir kennen den nicht und der macht jetzt das Konzert, aber der muss irgendwie einer von uns sein.
Also ich wurde sofort zwangsadoptiert sozusagen. Auch wenn ich das gar nicht wollte. Aber es gab da kein Entrinnen. Ich mache ja nach wie vor sehr viele Konzerte in der Türkei, also irgendwie gibt es da den Wunsch nach einer großen Umarmung und bisher hat es wunderbar und großartig funktioniert. Ich habe immer offene Türen eingerannt und wurde mit viel Liebe und Herzenswärme empfangen, egal wo ich war.
Die Leute haben sich wahnsinnig gefreut und waren auch wahnsinnig dankbar darüber, dass jetzt jemand vielleicht eher aus Nordwesteuropa sich teilweise dieser Musik annimmt und das auch vielleicht komplett anders interpretiert oder arrangiert. Ich hatte das Gefühl, dass auch ein gewisser Stolz immer dabei war, was mich natürlich sehr gefreut hat. Ich erinnere mich an die erste große Festivalbühne, die wir in Griechenland bespielt haben, da war ich ziemlich fertig mit den Nerven. Weil ich nicht wusste, ob da jetzt die Tomaten und faule Eier auf die Bühne fliegen oder Flaschen oder weiss der Teufel. Zum Glück hatte ich die Erfahrung nicht, ganz im Gegenteil. Also in Griechenland wurden viele meiner Songs geklaut. Es gibt unzählige Plagiate von Disko Partizani auf griechisch auch von Bucovina.
Eleftheria Arvanitaki hat eine Version gemacht, natürlich ohne zu fragen oder die Rechte zu klären, die haben es einfach gemacht. Aber für mich war das am Ende auch der Ritterschlag. In der Türkei habe ich eine Platinauszeichnung für die letzten beiden Alben bekommen. Also das sind alles Erfahrungen, die einen insofern bestätigen und das sage ich mit viel Demut, es ist eigentlich der richtige Weg gewesen. Man muss sich da also überhaupt nicht verstecken. Ich betrachte das ganz unspektakulär."

Maria: "Ich glaube auch, wie du schon gesagt hast, dass die Griechen letztendlich stolz sind, wenn da jemand herkommt aus Deutschland und singt z.b. alte Lieder, die Kazantzidis schon gesungen hat. Das finde ich mutig, das finde ich aber auch wirklich spektakulär und du machst das ja auch auf eine ganz tolle Art, dass man das Lied dann auch wirklich gut findet, obwohl es sicher auch Menschen gibt, die Rembetiko nicht so toll finden. Das mitteleuropäische Ohr ist da wahrscheinlich bisschen überfordert teilweise, aber du bringst es uns näher, dass das Ganze nicht so schwer wirkt, es wird leichter. Wenn du "Feige kai ase me" singst, dann möchte man aufstehen und mittanzen. Und im Original ist es
dann vielleicht ein bisschen schwer.
Es war sehr nett mit dir. Habe da nur noch eine Frage. Wenn du einen Wunsch frei hättest in deinem Leben, was du noch ausprobieren möchtest. Was wäre das denn für dich?"

Shantel: "Ich habe eigentlich keine Wünsche. Ich bin wunschlos glücklich. Ich bin nicht so ein Typ, der sagt, ich muss das und das und das noch machen. Bisher hatte ich das Glück, dass sich die Dinge immer ganz gut entwickelt haben und mir nie die Ideen ausgegangen sind. Ich glaube, das wäre mein größtest Unglück, wenn ich keine Ideen mehr im Kopf hätte. Wobei ich auch dazu sagen würde, es ist gut, immer diese gewisse Unsicherheit und so ein Risiko im Genick sitzen zu haben, wobei man auch nicht weiß, was erwartet mich als nächstes.
Wenn ich mir alles zusammen wünschen könnte, dann wäre das Leben ja total langweilig, vor allem wenn man kreativ arbeitet. Für mich muss es ein Auf und Ab sein. Bisher in den letzten Jahren war ich relativ verwöhnt. Man wünscht sich natürlich, dass es so weitergeht. Aber ich versuche, jeden Tag wieder bei Null anzufangen."

Maria: "Du hast ja auch mit Goran Bregovic gesungen. Goran habe ich auch mal live gesehen in Duisburg, also ich fand ihn faszinierend, eine
wahnsinnige Aura. Er hat ja auch mit Georgos Dalaras zusammen gesungen. So etwas fänd ich auch mal spannend, wenn ein Serbe, ein Deutscher und ein Grieche auf der Bühne stehen und singen. Hast du so etwas schon mal umgesetzt?"

Shantel: "Bisher habe ich nur mit Bregovic gearbeitet. Wobei ich im Laufe der letzten Jahre mit vielen verschiedenen Musikern zusammen gearbeitet habe. Es ist, wie soll ich sagen, für einen selber eigentlich weniger spektakulär als für das Publikum, weil es um die menschliche Chemie geht dabei. Ob man mit dem zurechtkommt. Ich habe festgestellt, je berühmter, je versierter die Musiker waren, um so unkomplizierter ging das Ganze über die Bühne. Wo hingegen viele andere Künstler, die vielleicht semiprofessionell arbeiten oder wo einfach mehr so eine Struktur dahintersteckt, gerade auch deutschsprachige Künstler oder bei Plattenfirmen oder so im Pop Rock Bereich. Ich weiß noch, es gab mal so ein im Umfeld, da haben wir mal die Fühler ausgestreckt, das fand ich unglaublich kompliziert. Völlig übertrieben und das ich erlebe auch immer auf Festivals. Neulich hatten wir bei einem Festival gespielt, da war auch Max Herre mit Bodyguards und zwei oder drei Tourmanagern, also mit einem total aufgeblasenen Hofstaat. Man kann mit den Leuten auch nicht normal reden.. Wo ich dann auch still und leise in mich hineinlache. Also mit Bregovic war das erste, was ich gemacht habe, wir waren in seinem Garten und haben Tomaten gepflückt. Da ging es nicht um Musik und wie viele Platten hast du verkauft. Also das ist alles sehr mit Bodenhaftung. Da hebt also keiner irgendwie blöd ab. Und ich habe wirklich die Erfahrung gemacht, dass die Künstler oder Charakter, also gerade in Deutschland, die so ein bisschen den Wind des Erfolges geschnuppert haben, das da wirklich sofort Allüren entstehen. Das ist so künstlich. Das ist auch nicht meine Welt. Ich ziehe mich dann auch recht schnell zurück, weil es einfach uninteressant ist. Ich würde auch immer sagen, dass sind Cooperationen, die braucht man eigentlich nicht. Auf dem Papier sieht das interessant aus, hat auch sicher seinen Reiz, aber menschlich finde ich das total langweilig. Wirklich, total."

Maria: "Vielleicht ist das dann doch diese südländische Ader oder südländische Temperament, dass du so unkompliziert bist und so offen auf Leute zugehst.
Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview."

Eure Maria

_________________

_________________
Ich bin Griechin, ich bin Deutsche, ich bin Europäerin.


Nach oben
 Profil Besuche Website  
Mit Zitat antworten 
 Betreff des Beitrags: Re: Interview mit Shantel, mal zum Nachlesen
BeitragVerfasst: 18. Sep 2013 21:31 
Offline

Registriert: 02.2011
Beiträge: 2780
Geschlecht: nicht angegeben
Highscores: 6
Danke dir, Maria :blume02:

:klasse:


Nach oben
 Profil  
Mit Zitat antworten 
 Betreff des Beitrags: Re: Interview mit Shantel, mal zum Nachlesen
BeitragVerfasst: 18. Sep 2013 21:43 
Offline
Forenfee
Benutzeravatar

Registriert: 08.2009
Beiträge: 31712
Wohnort: Ruhrpott, mitten drin
Geschlecht: weiblich
Gerne
das hat ganz schön Zeit gekostet.-))))

LG Maria

_________________
Ich bin Griechin, ich bin Deutsche, ich bin Europäerin.


Nach oben
 Profil Besuche Website  
Mit Zitat antworten 
Beiträge der letzten Zeit anzeigen:  Sortiere nach  
Ein neues Thema erstellen Auf das Thema antworten  [ 3 Beiträge ] 

Alle Zeiten sind UTC + 1 Stunde


Du darfst keine neuen Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst Antworten zu Themen in diesem Forum erstellen.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht ändern.
Du darfst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen.

Suche nach:
Gehe zu:  
cron
© phpBB® Forum Software phpBB3 Forum von phpBB8.de
» Kontakt & Rechtliches Support / Hilfe Forum Gooof Webdesign Kostenloses Forum Dein Forumo Forum web tracker